Antichrist

DK / D / FR / SE / I / PL 2009

Von Trier, der Ausmesser menschlicher Abgründe und abgefahrene Provokateur, zeigt in ANTICHRIST, dass es eine denkbar schlechte Idee ist, in grösstmöglicher Abgeschiedenheit seine eigene Frau zu therapieren.

Während des Liebesakts zwischen einer Frau und einem Mann befreit sich ihr gemeinsames Kind aus seinem Laufgitter, «klettert auf einen Tisch und steht eine Weile am offenen Fenster – bevor es hinausfällt, viele Stockwerke tief, und in Zeitlupe unten aufprallt. Was folgt, sind die Trauer, die Selbstvorwürfe der Mutter und die Therapie, die ihr Mann, ein Psychologe, ihr verschreibt. Deren Kernstück ist das Benennen und Bekämpfen der eigenen Ängste.» (Viennale) Deshalb bringt er sie an den Ort, an dem sie sich am meisten fürchtet: in die Holzhütte auf einem abgelegenen Waldstück, genannt «Eden», wo sie den vorigen Sommer zusammen mit dem kleinen Nic verbrachte. Dies erweist sich nicht wirklich als gute Idee, denn empfangen werden die beiden von einer veritablen Drohkulisse aus unheimlichen Tieren, abgestorbenen Bäumen, ominösen Geräuschen, dem gähnenden Eingang eines Fuchsbaus. Laut der Frau ist die Natur die Kirche Satans. Doch Unheil droht nicht von dieser, sondern vielmehr vom Wesen der beiden auf sich selbst zurückgeworfenen und mit der Verarbeitung ihres Verlusts beschäftigten Eltern. Zwar wacht die traumatisierte Frau eines Morgens befreit auf – alle Ängste scheinen von ihr abgefallen – doch kurz darauf manifestiert sich der Horror bei einer Art Rollenspiel umso heftiger. Und als der Mann zufällig entdeckt, warum Nics Füsse missgebildet waren – auf Fotos ist zu sehen, dass er jeweils den rechten Schuh am linken Fuss und umgekehrt trägt –, macht sich seine Frau in ihrer Verzweiflung die grössten Vorwürfe. Aus Angst, von ihrem Mann verlassen zu werden, reagiert sie äusserst heftig und wird zur Furie – mit verheerenden Folgen für beide.

Was dieses ebenso intensive wie umstrittene Trier’sche Trauer- und Gewaltepos ausmacht, sind dessen bedingungslose Konzentration auf das sich verändernde Machtgefüge zwischen der Frau und dem Mann (Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe gehen dabei über ihre Grenzen hinaus) sowie die Art und Weise, wie von Trier Schönheit und Grauen im selben Take festzuhalten vermag – bei ihm wird die Natur zum Spiegel der inneren Angstzustände. Trotzdem sind die Bilder von sexueller Pein, körperlicher Verletzung sowie Selbstverstümmelung eine Zumutung, und man ist froh, wenn das Kammerspiel, das sich zum verstörenden Horrortrip entwickelt, nach 108 Minuten zu Ende ist.


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Ticketinformationen

Legi /AHV: CHF 14.00

Mitglieder / Kulturlegi: CHF 9.00

Künstler:innen / Personen

Lars Von Trier, 2009; 108' E/df (35 mm, s/w und Farbe, Scope)

Cast: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg, Storm Acheche Sahlstrøm

Veranstalter:in

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