Filmpodium

Do, 25.11.2021 | 15:00 UHR
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

Fata Morgana

Werner Herzog (BRD 1971)

Werner Herzog
Mehr als ein halbes Jahrhundert umspannt Werner Herzogs bisherige Karriere. Die Suche nach Extremen und das Ausloten des (filmisch) Möglichen bestimmen sein Werk. Dabei sind die Filme und ihre Rezeption untrennbar mit dem Mythos um seine Person verbunden.

Vom 18.–21. November beschäftigt sich der Verein Cinépassion aus psychoanalytischer Sicht mit Herzogs Werk. Der Filmpodium-Programmpass (16.11.–31.12.2021) gilt auch als Cinépassion-Filmpass: Ab dem 16.11. erhältlich für CHF 60.– an der Kinokasse.



English text below

«Fata Morgana könnte man als Dokumentarfilm über die Sahara bezeichnen: Alle Sequenzen wurden dort gedreht – sei es in der Wüste selbst oder in den Städten und Oasen. Aber der begleitende Kommentar (mehrheitlich eine indische Erzählung über die Erschaffung der Welt aus dem 18. Jahrhundert) machte uns klar, dass dies Herzogs Version der Genesis – und auch der Apokalypse – ist, eine abstrakte Parabel über das Leben des Menschen auf der Erde. Das hätte grauenhaft sein können, ist es aber nicht, vor allem, weil dieser abstrakt klingende Film sehr konkret ist: die Realität jener Sanddünen, die mit Flugzeugwracks übersät sind, jene weiten Räume mit nichts, so weit das Auge reicht, nichts ausser dem Abfall dessen, was wir Zivilisation nennen, jene Hitzeschleier, aus denen mysteriöse Objekte (die sich schliesslich als Land-Rover entpuppen) langsam auftauchen wie eine frühe Lebensform aus dem Urschleim.
Jemand hat einmal geschrieben, dass es nicht verwunderlich sei, dass die drei grossen monotheistischen Religionen alle aus der Wüste kamen, und etwas von diesem Geheimnis des Unverborgenen und Unbenennbaren hat Herzog in Fata Morgana so erfolgreich heraufbeschworen.» (Richard Roud, Sight & Sound, Sommer 1971)

«Fata Morgana could be described as a documentary on the Sahara: all the sequences were shot there – whether in the desert itself or in the town and oases. But the accompanying narration (mostly an eighteenth-century Indian account of the creation of the world) clued us in to the fact that this is Herzog's version of Genesis – and also of the Apocalypse – an abstract parable of the life of man on earth. It could have been ghastly, but it isn't, mostly because this abstract-sounding film is very concrete: the reality of those sand dunes littered with the wreckage of aircraft, those vast spaces with nothing as far as the eye can see, nothing except the refuse of what we call civilisation, those heat-haze mirages from which mysterious objects (which we eventually discover to be Land-Rovers) slowly emerge like some early form of life from the primitive slime.
Someone once wrote that it was not surprising that the three great monotheistic religions all came out of the desert, and it is something of that mystery of the unhidden and the unnameable that Herzog has so successfully evoked in Fata Morgana.» (Richard Roud, Sight & Sound, Summer 1971)
77 Min. / Farbe / DCP / D/e

zur Website des Veranstalters/der Veranstaltung

Informationen

Daten und Tickets

07.12.2021
20:45 - 22:02 UHR

Besetzung / Künstler

Regie: Werner Herzog
Drehbuch: Werner Herzog
Kamera: Jörg Schmidt-Reitwein
Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus
Besetzung: Lotte Eisner (Erzählerin)

Veranstaltungsort

Filmpodium


Adresse:

Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich
+41 (0)44 415 33 66
info@filmpodium.ch


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English review

Das indigene Volk der Miskito, das von Nicaraguas Somoza-Regime verfolgt wurde, schloss sich der Sandinis
ten-Revolution an in der Hoffnung auf Freiheit und kulturelle Selbstständigkeit. Doch als die Sandinisten an die Macht kamen, wurden die Miskito brutal aus ihrem Stammesgebiet vertrieben und in die Neuzeit geschleppt. Enttäuscht zogen die Miskito erneut in den Kampf gegen das Regime, unterstützt von Somoza-Leuten und der CIA. Dabei rekrutierten sie Kindersoldaten.
«Der grösste Teil des Films besteht aus Interviews in Flüchtlingslagern mit den Miskito, die mit einem schrecklichen, gelassenen Stoizismus aus erster Hand von Folter und Mord erzählen. Herzog, ein politischer Skeptiker, dessen anfängliche Sympathien wohl der Revolution galten, nimmt all dies mit unsentimentaler Trauer auf. ‹Ich kann nicht glauben›, sagt er an einer Stelle, ‹dass die Sandinisten dies beabsichtigt haben.› Ballade vom kleinen Soldaten ist kein aufrührerischer Film. Er ist sowohl ein Klagelied über den idiotischen Zustand der Welt als auch ein Lobgesang auf den menschlichen Geist.» (Vincent Canby, New York Times, 3.4.1985)
Lektionen in Finsternis (Frankreich/GB/Deutschland 1992)
English review

«Nach dem Ersten Golfkrieg reisten Herzog und Kameramann und Koproduzent Paul Berriff nach Kuwait. Was sie im Sand vorfanden, war neben Knochen, Kratern, rostendem Militärschrott und zerschmetterten Gebäudehüllen ein flammendes Inferno. Die düstere Landschaft, die sich ihnen bot, war noch dramatischer als die Trümmer, die Herzog in der Sahara für Fata Morgana gefilmt hatte. Kein Wunder also, dass er sich anstelle des (ironischen) Schöpfungsmythos, den er für den früheren Film verwendet hatte, eine ‹Erzählung› ausdachte, um die apokalyptischen Aspekte von Saddam Husseins Feuersbrunst hervorzuheben. Das Ergebnis in 13 ‹Kapiteln› ist eine Beschwörung der Hölle auf Erden. Riesige Flammensäulen und schwarzer Rauch verwandeln die Wüste in eine surreale, expressionistische Alptraumwelt; Kuwaitis schauen schockiert und traurig in die Kamera, aber nicht vorwurfsvoll; Feuerwehrleute scheinen bizarre, urzeitliche Rituale zu praktizieren, wenn sie schweigend ihrer scheinbar erfolglosen Arbeit nachgehen. Herzogs eigene leise, ehrfürchtige Stimme intoniert die poetische Erzählung, während Wagner, Mahler, Verdi und Pärt für eine epische, elegische musikalische Untermalung sorgen.» (Geoff Andrew, Time Out Film Guide)
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1967–1979: American Cinema matured over the late 60s and 70s. Paul Schrader reveals his thoughts on his existential screenplay for Taxi Driver. Director Charles Burnett talks about the birth of Black American Cinema.

The Story of Film: An Odyssey. Episode 10 – Movies to Change the World (GB 2011)
1969–1979: In dieser Episode widmet sich Mark Cousins dem wilden Kino eines Werner Herzog und eines Nicolas Roeg. Filmemacher in Deutschland, Iran, England , Afrika, Asien und Italien stellen grosse Fragen über sich selbst, über Identität, Sexualität und ihre Herkunftsländer.

1969–1979: «When most people think of 70s movies, they think of Scorsese and Coppola, Spielberg and Lucas, but beyond that a world of exiting new cinema opened up in the 70s. As Willy Brandt got chancellor in Germany, as Iran got rich, as decolonized Africa worked out what it wanted to be, as Japan got even more radical, movie makers in Germany, Iran, Britain, Africa, Asia and Italy asked big brilliant questions about themselves and their countries.» (Mark Cousins, The Story of Film: An Odyssey, Ep. 10)
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