Filmpodium

Do, 25.11.2021 | 18:00 UHR
Nüschelerstrasse 11 | Zürich

Geschichte der Nacht

Clemens Klopfenstein (Schweiz/BRD 1979)

Corinnes Blind Dates
Nach fast sechzehneinhalb Jahren verlasse ich Ende November altershalber das Filmpodium. In dieser langen Zeit haben Sie mir und meinem Team, insbesondere Andreas Furler (bis 2013) und Michel Bodmer (2014 bis heute), Ihr Vertrauen geschenkt und unser Programmangebot neugierig angenommen. Heute bitte ich Sie erneut darum. Es ist allerdings mit einem Risiko verbunden: Ich kenne die Filme, die ich ausgewählt habe, nämlich nicht.

Europäische Städte in der Nacht. Die unkommentierten Bilder nächtlich verödeter Strassen und Plätze, finsterer Fassaden und unheimlicher Kreuzungen ergeben zusammen mit der Nachtmusik aus Geräuschen, Stimmen und Tönen einen meditativen, radikal gegen alle Fernsehgewohnheiten gerichteten Film.
«Die nächtlichen Spaziergänge des Mr. Leopold Bloom in James Joyces Roman ‹Ulysses› inspirierten Klopfenstein zu einem seinerzeit einzigartigen film- und kameratechnischen Experiment. 150 Nächte lang fing er mit hochempfindlichem Schwarzweiss-Filmmaterial und mit Miniatur-Tonbandgerät die Atmosphäre von mehr als einem Dutzend europäischer Städte in den Stunden nach Mitternacht ein. In der Bild- und Tonmontage verdichten sich Aufnahmen aus der Schweiz, der Türkei, aus Polen, Tschechien, Rumänien, Italien, Frankreich, Spanien, England, Irland und Deutschland zur Physiognomie einer europäischen Metropole mit einer weiten geografischen Ausdehnung. Entfernteste Schauplätze und Originaltöne amalgamieren zu einem einzigen fiktiven optischen und akustischen Nacht-Raum.» (swissfilms.ch)
«Der Film ist meine Reaktion auf die vielleicht 2000 Filme, die ich bis heute gesehen habe. Die Handlungen, aus der klassischen Dramaturgie entstanden, interessieren mich schon lange nicht mehr. Ich wollte einen handlungsfreien Film, in den sich der Zuschauer seine eigene Geschichte denken und sich an seine eigene Erfahrung erinnern kann. Ich wollte mit Fantasieketten den Zuschauer zur Meditation bringen.» (Clemens Klopfenstein, zit. xenix.ch)
«Eine seltsame und bemerkenswerte Kombination aus Traum, Dokumentation und Science-Fiction.» (Chris Auty, zit. klopfenstein.net)

European cities by night. The uncommented images of deserted nocturnal streets and squares, sinister façades and eerie intersections, accompanied by the night music of noises, voices and sounds, result in a meditative film that radically defies all television viewing habits.
«The nocturnal meanderings of Mr Leopold Bloom in James Joyce's novel ‹Ulysses› inspired Klopfenstein to a unique cinematic and photographic experiment. For 150 nights, he captured the atmosphere of more than a dozen European cities in the hours after midnight using high-speed black-and-white film and a miniature tape recorder. In the film's montage of images and sounds, recordings from Switzerland, Turkey, Poland, the Czech Republic, Romania, Italy, France, Spain, England, Ireland and Germany merge into the physiognomy of a European metropolis with a wide geographical expanse. Distant locations and sounds amalgamate into a single fictitious audiovisual night space." (swissfilm.ch)
«This film is my reaction to the maybe 2,000 films I've seen to date. I haven't been interested in action resulting from traditional dramaturgy for a long time. I wanted an action-less film in which the viewer could think up his or her own story and recall his or her own experience. I wanted to lead the viewer to meditation by the chains of imagination.» (Clemens Klopfenstein, quoted at xenix.ch)
«A strange and remarkable combination of dream, documentary and science fiction.» (Chris Auty, quoted at klopfenstein.net)

63 Min. / sw / DCP / ohne Dialoge

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Informationen

Daten und Tickets

16.12.2021
20:45 - 21:48 UHR

Besetzung / Künstler

in Anwesenheit des Regisseurs

Veranstaltungsort

Filmpodium


Adresse:

Nüschelerstrasse 11
8001 Zürich
+41 (0)44 415 33 66
info@filmpodium.ch


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Ballade vom kleinen Soldaten & Lektionen in Finsternis: Ballade vom kleinen Soldaten (BRD 1984)
English review

Das indigene Volk der Miskito, das von Nicaraguas Somoza-Regime verfolgt wurde, schloss sich der Sandinis
ten-Revolution an in der Hoffnung auf Freiheit und kulturelle Selbstständigkeit. Doch als die Sandinisten an die Macht kamen, wurden die Miskito brutal aus ihrem Stammesgebiet vertrieben und in die Neuzeit geschleppt. Enttäuscht zogen die Miskito erneut in den Kampf gegen das Regime, unterstützt von Somoza-Leuten und der CIA. Dabei rekrutierten sie Kindersoldaten.
«Der grösste Teil des Films besteht aus Interviews in Flüchtlingslagern mit den Miskito, die mit einem schrecklichen, gelassenen Stoizismus aus erster Hand von Folter und Mord erzählen. Herzog, ein politischer Skeptiker, dessen anfängliche Sympathien wohl der Revolution galten, nimmt all dies mit unsentimentaler Trauer auf. ‹Ich kann nicht glauben›, sagt er an einer Stelle, ‹dass die Sandinisten dies beabsichtigt haben.› Ballade vom kleinen Soldaten ist kein aufrührerischer Film. Er ist sowohl ein Klagelied über den idiotischen Zustand der Welt als auch ein Lobgesang auf den menschlichen Geist.» (Vincent Canby, New York Times, 3.4.1985)
Lektionen in Finsternis (Frankreich/GB/Deutschland 1992)
English review

«Nach dem Ersten Golfkrieg reisten Herzog und Kameramann und Koproduzent Paul Berriff nach Kuwait. Was sie im Sand vorfanden, war neben Knochen, Kratern, rostendem Militärschrott und zerschmetterten Gebäudehüllen ein flammendes Inferno. Die düstere Landschaft, die sich ihnen bot, war noch dramatischer als die Trümmer, die Herzog in der Sahara für Fata Morgana gefilmt hatte. Kein Wunder also, dass er sich anstelle des (ironischen) Schöpfungsmythos, den er für den früheren Film verwendet hatte, eine ‹Erzählung› ausdachte, um die apokalyptischen Aspekte von Saddam Husseins Feuersbrunst hervorzuheben. Das Ergebnis in 13 ‹Kapiteln› ist eine Beschwörung der Hölle auf Erden. Riesige Flammensäulen und schwarzer Rauch verwandeln die Wüste in eine surreale, expressionistische Alptraumwelt; Kuwaitis schauen schockiert und traurig in die Kamera, aber nicht vorwurfsvoll; Feuerwehrleute scheinen bizarre, urzeitliche Rituale zu praktizieren, wenn sie schweigend ihrer scheinbar erfolglosen Arbeit nachgehen. Herzogs eigene leise, ehrfürchtige Stimme intoniert die poetische Erzählung, während Wagner, Mahler, Verdi und Pärt für eine epische, elegische musikalische Untermalung sorgen.» (Geoff Andrew, Time Out Film Guide)
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1967–1979: American Cinema matured over the late 60s and 70s. Paul Schrader reveals his thoughts on his existential screenplay for Taxi Driver. Director Charles Burnett talks about the birth of Black American Cinema.

The Story of Film: An Odyssey. Episode 10 – Movies to Change the World (GB 2011)
1969–1979: In dieser Episode widmet sich Mark Cousins dem wilden Kino eines Werner Herzog und eines Nicolas Roeg. Filmemacher in Deutschland, Iran, England , Afrika, Asien und Italien stellen grosse Fragen über sich selbst, über Identität, Sexualität und ihre Herkunftsländer.

1969–1979: «When most people think of 70s movies, they think of Scorsese and Coppola, Spielberg and Lucas, but beyond that a world of exiting new cinema opened up in the 70s. As Willy Brandt got chancellor in Germany, as Iran got rich, as decolonized Africa worked out what it wanted to be, as Japan got even more radical, movie makers in Germany, Iran, Britain, Africa, Asia and Italy asked big brilliant questions about themselves and their countries.» (Mark Cousins, The Story of Film: An Odyssey, Ep. 10)
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The Story of Film: An Odyssey. Episode 10 – Movies to Change the World: Mark Cousins (GB 2011) (Dezember)

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