Schauspielhaus Zürich

Do, 13.12.2018 |
Kammer
Rämistrasse 34 | Zürich

TICKET

Missionen der Schönheit

von Sibylle Berg

Missionen der Schönheit

Acht Frauenfiguren, die allesamt von der Schauspielerin Lisa-Katrina Mayer verkörpert werden, arbeiten sich ab an den Rollenzuschreibungen unserer Gesellschaft, die Mädchen und Frauen bis heute allzu tief eingeprägt sind. Es geht dabei um die Sehnsucht nach Selbstoptimierung, nach Selbstauslöschung und nach Halt und Anerkennung eines Aussen, das der Frau über Jahrhunderte lang eingeredet hat, dass Männer Macht haben und Frauen ihre Schönheit.

Judit ist das alttestamentarische Symbol der schönen und reinen jungen Frau, die im Kontext einer männlich geprägten Geschichtsschreibung als Witwe jeglicher Zukunftsperspektive und Status entbehrt und ihr von Belagerung und Barbarei bedrohtes Volk zu erlösen versucht, indem sie sich ins Lager des gefürchteten Feldherrn Holofernes einschleicht, ihn verführt und im volltrunkenen Schlaf enthauptet. Triumphierend kehrt sie mit seinem Kopf als Trophäe heim und wird fortan von ihrem Volk als Erlöserin und Heilige gefeiert. Judit in Sibylle Bergs „Missionen der Schönheit“ ist 12 und lebt in Brüssel, sie ist 18 und lebt in Berlin, 23 in Kinshasa, 30 in Kiew, 38 in São Paulo, 40 in Neapel, 54 in Johannesburg und 75 in Betulia.

Wir begegnen Frauenfiguren, die sich auszeichnen durch ihre Kraft und Stärke, ihren Humor und die Fähigkeit zur bedingungslosen Liebe. Die gleichzeitig aber auch tief verunsichert sind durch ein vermeintlich mangelhaftes Äußeres, unfähig den Selbstwert von optischen Makeln oder alternder Schönheit abzukoppeln. Der religiöse Fanatismus, der die Protagonistin in der Bibel antreibt und unweigerlich Assoziationen zu terroristischen AkteurInnen der Gegenwart aufdrängt, äussert sich bei Bergs Figuren als Fanatismus im Kampf gegen das eigene Selbst, als Sehnsucht sich vom eigenen Ich abzulösen.

Die Choreografin Salome Schneebeli, die Videokünstlerin Heta Multanen und die Schauspielerin Lisa-Katrina Mayer näheren sich diesem feministischen Text in einem interdisziplinären Arbeitsprozess, der zeitgenössischen Tanz, Video, Livemusik und Schauspiel umfasst. Inspiriert von der Auseinandersetzung mit der Ikone Judit in der Musik- und Kunstgeschichte, erkunden die drei Künstlerinnen ausgehend von Körper- und Textarbeit die acht Protagonistinnen und schlagen gleichzeitig eine Brücke zur Lebens- und Arbeitsrealität der Performerin selbst. Der Körper, den wir sehen, bleibt immer der Körper, den wir sehen – und trotzdem vermag er sich doch fortwährend zu verwandeln.

zur Website des Veranstalters/der Veranstaltung

Informationen

Personen

Schauspieler:
Lisa-Katrina Mayer
Darsteller Video:
Yves Regenass
Dr. Reto Agosti
Gesang:
Hubert Wild
Regie:
Salome Schneebeli
Heta Multanen
Musik:
Jojo Büld

Veranstaltungsort

Kammer


Adresse:

Rämistrasse 34
8001 Zürich
Empfang +41 (0)44 258 70 70
Kasse +41 (0)44 258 77 77
Theaterkasse theaterkasse@schauspielhaus.ch

Erreichbarkeit:

Öffentlicher Verkehr
Tram Nr. 3, 5, 8, 9 oder Bus Nr. 31 bis «Kunsthaus»

Zugänglichkeit:

Sämtliche Bühnen sind barrierefrei zu erreichen. Gerne reservieren wir einen Rollstuhlplatz für Sie. Ein Anruf an der Theaterkasse unter +41 (0)44 258 77 77 genügt.

Gastroangebot:

Vor und nach dem Theaterbesuch im Pfauen empfehlen wir Ihnen den Besuch des im Gebäude gelegenen Restaurants Santa Lucia Teatro. Kurzfristige Reservationen nimmt auch unser Foyerpersonal gerne entgegen. Für den kleinen Hunger vor Vorstellungsbeginn oder das Glas Champagner in der Pause hat im Pfauen-Foyer vor und nach der Aufführung eine Snack-Bar geöffnet.


Weitere Veranstaltungen

Die Toten

Die Toten (Juni)

bild

Der Reisende (Juni)

Lenz

Lenz (Juni)

bild

Wunschkonzert Extended Level Summer (Juni)

Justiz

Justiz

Ausschliesslich Inländer

Ausschliesslich Inländer (Juni)

Blick hinter die Kulissen

Blick hinter die Kulissen (Juni)

Der Josa mit der Zauberfiedel

Der Josa mit der Zauberfiedel (Juni)

Theater im Gespräch

Theater im Gespräch (Juni)

Ich weiss nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien)

Ich weiss nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien) (Juni)

Apropos… „Urknall“

Apropos… „Urknall“ (Juni)

bild

Schöne Bescherungen (Juni)

Totart Tatort

Totart Tatort (Juni)

Die Physiker

Die Physiker (Juni)

Hamlet

Hamlet (Juni)

bild

10x10 (Juni)