Blanco Teta

Blanco Teta aus Argentinien sind nicht nur gekommen um zu bleiben, sondern auch gekommen, um einen bleibenden Abdruck zu hinterlassen: In der schnelllebigen Musiklandschaft zwischen Virtualität und Konzertschweiss; dem immer mal wieder unebenen, fast unwegsamen Boden des queeren Aktivismus in der Welt von heute; und nicht zuletzt in den Köpfen der Menschen, die sich von Musik mehr erhoffen als eine stille Zuckung des linken Kniegelenks.

Das Quartett ist seit drei Jahren auf einer endlosen Tour durch Europa und Lateinamerika inklusive Shows unter anderem am Roskilde und Fusion Festival unterwegs. Spätestens nach ihrem dritten Album ROMPEPAGA, das im Juni 2023 beim Schweizer Label Bongo Joe erschienen ist, ist Blanco Teta auch hierzulande ein Begriff. Welcher mit dem neuen Album La Debacle de las Divas (Juli 2025, Bongo Joe) nochmals gehörig ausgeweitet werden dürfte. Der Langspieler widmet sich dem kapitalistischen Blick auf die Jugend – mit dem Finger auf dem Älterwerden, den Bildern von sich selbst und den eigenen Identitäten: «We’re somewhere between the meme of no longer being a rising star and the dysphoria of the fake diva – the working class divas, the Flixbus divas (…)».

Blanco Teta spielen auf zu einem kraftvollen Konzerterlebnis, all Punk, schroffe, getriebene Basslastigkeit mit chorischen Texten, immer voll ins Gesicht rein. Da geht’s um weit mehr als «Ey, lass uns statt Gitarre ein Cello nehmen». Da geht’s um das Ausbrechen aus dem Schema F, aus den Normen von Rockmusik, von Gender, hinein in ein neues Selbstverständnis, in die pure Spielfreude – welche ihrerseits selbst politischer Akt der Rebellion ist und auf der Bühne zu einem zugleich wohltuenden, wie auch wachrüttelnden Cocktail wird. Der lädt ein, sich das Unverblümte einzuverleiben und so in sich selbst die Normen bröckeln zu fühlen, zu einem Teil dessen zu werden, was in der Rockmusik und im alltäglichen Leben auch noch möglich sein könnte an Freiheit, an Queerness, an Wildheit. In den Worten der Band selbst: «Fuck meritocracy and techno-feudalism, which turned us into crypto-serfs paying subscriptions to platforms that censor us.» Zuckung in der Magengrube, Zuckung in der Faust!


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