Das Kulturhaus Helferei befindet sich mitten in der Altstadt von Zürich – in eben dem Haus, in dem Ulrich Zwingli gelebt hat. Hier gibt es ein umfangreiches Kulturprogramm mit Theater, Performances, Literatur, Kino und Musik. Das Haus hat sich ...
Eroding Grounds #2 GHOSTSCAPES
Ausstellung und Diskurs von Extraleben
VERNISSAGE 05.12, 19.00 – 22.00 UHR
Eine Installation in der Kapelle zeigt Video-Essays im Loop und eine Fotoserie von Künstler*innen und Wissenschaftler*innen über Geisterlandschaften. Im Podium wird gefragt: Welche Geister aus Vergangenheit, Gegenwart und einer ungewissen Zukunft manifestieren sich in diesen kippenden Landschaften?
2026 – 2027 produziert Extraleben unter dem Titel Eroding Grounds zwei Theater- und Tanzprojekte und kuratiert ein Kunst- und Diskursprogramm mit drei Editionen in Zusammenarbeit mit dem Kulturhaus Helferei. Zu jeder Edition werden verschiedene künstlerische Gastbeiträge ausgestellt und Podien mit Gästen aus Kunst, Wissenschaft und Aktivismus veranstaltet. Ziel ist es unsere Gegenwartskrisen als Kulmination verschiedener Erschöpfungskrisen zu verstehen.
Willkommen im Zeitalter der Erschöpfung!
Gletscher erodieren, Körper und Psychen erschöpfen, Sicherheiten bröckeln. Erschöpfung und Erosion sind omnipräsent. Sie manifestieren sich im Privaten durch steigende Zahlen von Burn-Outs, im Gesellschaftlichen und Politischen über die «Erosion der Demokratien» sowie im Ökologischen durch die Ausbeutung von Ressourcen, den Verlust von Landschaften und dem Artensterben.
Es ist kein Zufall, dass diese Erschöpfungszustände gleichzeitig mit der Klimakrise auftreten bzw. verstehen wir die Klimakatastrophe selbst als eine Kulmination vieler einzelner Erschöpfungskrisen. Wertschöpfung im Kapitalismus kann nur über Erschöpfung erreicht werden: Lohndumping, Ressourcenraub, unbezahlte Care-Arbeit. Daraus ergeben sich überlastete Körper, ausgebrannte Psychen, verödete Landschaften und drohende Kipppunkte. Viele Menschen glauben nicht mehr daran, dass demokratische Gesellschaften noch die richtigen Antworten auf die Krisen unserer Zeit finden. 2026 leben Dreiviertel der Weltbevölkerung in autokratisch geführten Ländern und von den restlichen Demokratien drohen ebenfalls immer mehr ins Autoritäre zu stürzen. Es wird von der «Erosion der Demokratien» gesprochen, wenn demokratische Grundwerte von innen heraus zersetzt und ausgehöhlt werden. Autoritäre Politik und rechtsnationale Parteien versprechen, den Klimaschutz und soziale Gerechtigkeiten zertrümmernd, zu alter industrieller Grösse und Hegemonie zurückzukehren – ganz klar und unverblümt auf Kosten des Planeten und von Menschen. Umwelt sowie marginalisierte und vulnerable Gruppen, das sind die Verlierer*innen dieses Petrokapitalismus. Drill Baby Drill. Die Rückkehr der Dominanz und des Survival of the Fittest hinterlässt verbrannte Erde. Die Desillusionierung, die wir empfinden, scheint selbst Teil der Erschöpfungslogik und politisches Kalkül: flood the zone with shit. Wer zu tief in der Scheisse steckt, wird sich nicht auflehnen. Resignation macht sich breit. Wozu sollte man noch aufstehen? Auch unsere Zukunftsvisionen scheinen in Anbetracht des schwindenden Handlungsspielraums zu erschöpfen. Wir gehören zur ersten Generation der Nachkriegszeit im Westen, die ihren Kindern und Nachfolgegenerationen keine «bessere» Zukunft mehr versprechen können. Die Zukunft ist keine Verheissung mehr, sondern eine Bedrohung.
Mit ERODING GROUNDS versuchen wir, Erschöpfungen als etwas zu verstehen, das nicht zufällig gehäuft in unserer Gegenwart auftritt, sondern eine Folge von kapitalistischer Ausbeutung und Ohnmachtspolitik ist. Es ist unser Ziel, persönliche, gesellschaftliche und ökologische Verlusterzählungen in einen kollektiven Verhandlungsraum zu stellen. Kunst hat das Potenzial, Themen sinnlich zu verhandeln, Dinge zu benennen, zu konfrontieren und sichtbar zu machen. Uns selbst gemeinsam mit den Zuschauer*innen den beängstigenden Themen auszusetzen und Formen des Empowerments im Erzählen zu finden, erachten wir als Strategie gegen die Ohnmacht.
zur Website der Veranstalter:in
Ab dem 05. Dezember 2026
Bis zum 11. Dezember 2026
Kulturhaus Helferei
Kirchgasse 13
8001 Zürich
+41 (0)44 250 66 00
betrieb@kulturhaus-helferei.ch
Öffnungszeiten:
An Sonn- und Feiertagen ist das Kulturhaus geschlossen.
Infos Zugänglichkeit:
Zugang für Menschen mit Behinderung möglich