Paolo Conte beglückt den Wädenswiler Kinosommer

Ein Aufgebot an kleinen und grossen Stars lockt aktuell in den Rosenmattpark.

Ueli Burkhardt, Programmleiter des Theater Ticino, huldigt im Wädenswiler Rosenmattpark dem Arthouse-Kino. Heuer mit im Aufgebot: der grosse Paolo Conte. Ein Gespräch über ein vielfältiges, weitgehend risottofreies Haus und Programm.

Endlich kommt Paolo Conte am 9. August nach Wädenswil. Herr Burkhardt, wie ist Ihnen dies gelungen?

Mit einer schlichten Anfrage an die Xenix Filmdistribution GmbH! Ich wollte wissen, ob die Doku «Paolo Conte – Via Con Me» für unsere diesjährigen Filmnächte Rosenmattpark zu haben sei. Das Xenix war glücklicherweise nicht abgeneigt.

Paolo Conte ist vorerst nur auf der Leinwand zu sehen, va bene. Ogni cosa a suo tempo. Aber er würde eigentlich ganz gut ins Ticino passen, oder?

Klar würde er das. Ein Kammerkonzert – intim, exklusiv. Wir haben Platz für Träume, und nicht alle müssen verwirklicht werden.

Sie haben den Film programmiert. Was haben Sie in «Via Con Me» über Conte gelernt?

Wenig – eigentlich nichts. Ich konnte einem feinen, klugen, vieltalentierten Mann mit Esprit & Italianità ein bisschen über die Schulter schauen, habe kurzweilige 100 Minuten verbracht und ging beschwingt aus dem Kino.

Was ist Ihnen wichtig bei der Auswahl der Filme für den Rosenmattpark?

Ein Programmgesamtbild zusammenzustellen. Arthouse-Kinogänger:innen kennen die meisten Filme bereits. Gleichzeitig sollen andere dazu verführt werden, Filme zu Ende zu sehen, bei denen sie sonst auf Arte weiterzappen. Im Rahmen eines Openairs kann dies immer wieder gelingen. Wir bieten gute Geschichten, überraschende Plots, Reisen in ein fremdes Land, in andere soziale Schichten oder Milieus. Oder einfach ein Sommerabendvergnügen.

Was sind neben Conte die Highlights diesen Sommer?

Das kann ich nicht sagen, da mir jeder Film in seiner Unverwechselbarkeit am Herzen liegt und darum im Programm ist.

Die Filme fangen alle erst um 21:30 Uhr an. Was macht man vorher? Eine Safari durch die Weinkarte?

Eine gesellschaftliche Safari, alleweil mit einem guten Tropfen. Die Filmnächte im Rosenmattpark sind jeweils auch ein Treffpunkt für Wädenswiler:innen mitten in den Sommerferien. Für alle Externen empfiehlt sich zum Beispiel ein Filmausflug mit dem Schiff ab Zürich? Bürkliplatz ab 17h30, Wädenswil an 19h00 – und  dann Zeit genug für ein Nachtessen unter lauschigen Bäumen, in unserem zentral gelegenen Park. Rückfahrtmöglichkeiten können nach Bedarf in der Filmpause ausgerufen werden.

Im September geht’s weiter mit dem regulären Ticino-Programm. Was erwartet uns? 

Das Theater Ticino ist seit 38 Jahren ein vielfältiges Gastspielhaus – da ist auch die kommende Saison keine Ausnahme. Mit dabei sind unter anderem: Ulan+Bator, Margrit Sprecher mit Graziella Rossi & Helmut Vogel, Schubert Theater, Cora Frost, Ohne Rolf, Matthias Deutschmann, Annette Windlin mit «Besuch der alten Dame», Anna Mateur, Viviane Chassot & Jürg Kienberger, Peter Honegger, Andres Lutz, Helga Schneider, Thomas Sarbacher, Patti Basler, Robert Hunger-Bühler, Stefan Heuss, Werner Bärtschi, Judith Bach, Michel Gammenthaler und Horst Evers. Besonders erwähnen möchte ich die Première von «Anna Karenina», die nach «Madame Bovary» und «Effi Briest» den Abschluss einer Trilogie der wunderbaren Zürcher Schauspielerin Mona Petri bildet.

Ana Karenina? Wie muss man sich das vorstellen? Ein Fünfstünder?

Nein. Jodi Vilardaga und Mara Gyr vom Theater Ariane Winterthur (Koproduktion) haben eine Bühnenfassung von ca. 90 Minuten erarbeitet – ein Karenina-Konzentrat mit einer Schauspielerin, einem Schauspieler und einem Live-Musiker. Man kriegt den Wälzer mit, ohne ihn gelesen zu haben. Der Abend könnte auch eine Inspiration dazu sein.

Ein weiterer Name, der gleich etwas auslöst: Margrit Sprecher? DIE Margrit Sprecher?

Ja! «Die Königin der Reportage», wie sie von Thomas Hürlimann genannt wurde. Graziella Rossi und Helmut Vogel werden ihre Reportagen lesen und Margrit Sprecher wird aus dem «Nähkästchen» plaudern.

Sie sind seit vielen Jahren verantwortlich für das Programm. Wie haben Sie eigentlich ins Ticino gefunden?

Ich habe das Theater Ticino nicht gefunden, sondern zusammen mit meinem Bruder Martin und vielen weiteren Leuten Mitte der 80er gegründet. Martin war Tontechniker im Schauspielhaus und ich habe eine Schauspielausbildung in Wien abgebrochen. Kulturelle Freiräume waren DAS Thema damals und mussten erkämpft werden (auch in der Agglo).

Isst man eigentlich Tessinerisch im Ticino?

Nein. Das Haus wurde im Volksmund in den 50/60er «Das Ticino» genannt, da damals ein Tessiner Wirt das Restaurant mit Tanzsaal führte und unter anderem eine Anlaufstelle für italienische Gastarbeiter war. Mit dem Tessin haben wir also – abgesehen vom Namen – nichts zu tun. Mit hervorragendem Essen schon. Unser Koch Sergio Rossi pflegt eine feine Küche mit mediterranem Flair.

Ganz zum Schluss ganz generell: Wie würden Sie den Ticino-Spirit beschreiben?

Als freundschaftlich und zuvorkommend. Wir bieten Live-Kultur aus Leidenschaft und staunen über grosse Geister in unserem kleinen Raum.
 

Die Filmnächte im Rosenmattpark Wädenswil finden noch bis 12. August jeweils ab 21:30 Uhr statt. Weitere Informationen unter theater-ticino.ch.

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