Mein erstes Mal im … NONAM

Redaktion Eva Hediger
Redaktion Eva Hediger

Zwischen kindlicher Neugier und Klischees: Das Nordamerika Native Museum zeigt indigene Gesellschaften Nordamerikas differenziert und zugänglich.

Eine schmale Treppe führt zur aktuellen Sonderausstellung «An der Eiskante. Unterwegs in Nordgrönland» (bis 28.06.26). Ein Vater, Fotograf, reist mit seinem erwachsenen Sohn, einem Filmemacher, nach Grönland. Die beiden Schweizer, Markus und Nils, halten aus ihrer Perspektive mit ihren Kameras fest, wie Menschen dort leben: wie junge Männer zu Jägern werden, wie Tiere gejagt werden und welche Herausforderungen der Alltag mit sich bringt. Gezeigt werden zahlreiche Fotografien sowie ein kürzerer Dokumentarfilm.

Auch ohne die Untertitel zu verstehen, ist der Film für ein Kind zugänglich. Die weiten Eislandschaften erinnern an Szenen aus Bilderbüchern. Gleichzeitig tauchen vertraute Dinge auf: ein Kind, das mit dem Velo durch den Schnee fährt, bekannte Verpackungen, das Bellen von Hunden. Nur dass es hier keine Schosshunde sind, sondern Schlittenhunde, die über das Eis jagen.

Es ist genau diese Mischung, die die Ausstellung auch für Kinder stark macht: Sie zeigt eine eine Lebensrealität, die sich deutlich von der eigenen unterscheidet, ohne sie zu exotisieren – und lässt gleichzeitig genug Anknüpfungspunkte, damit sich auch jüngere Kinder darin orientieren können.

Eine Etage weiter befindet sich die Sammlungspräsentation. Spannend, aber weniger zugänglich für jüngere Kinder: Vieles setzt Lesekompetenz voraus, die Klanginstallationen im Dunkeln sind stellenweise etwas unheimlich, und die Porträts verschiedener Künstler sind auf Englisch und eher umfangreich. Erklärt man die Inhalte der ungeduldig werdenden Begleitung selbst, muss man aufpassen, nicht ungewollt in vereinfachende oder stereotype Darstellungen zu verfallen.

Für Schulkinder und Erwachsene hingegen bieten die Sammlungsgegenstände aus verschiedenen Regionen und Jahrhunderten reichlich Anknüpfungspunkte, um sich vertieft mit unterschiedlichen indigenen Kulturen auseinanderzusetzen. Das Nordamerika Native Museum setzt sich mit dieser Perspektivfrage sichtbar auseinander: Es bezieht zeitgenössische indigene Positionen ein und ordnet historische Bestände kritisch ein. Damit bleibt die Erzählung nicht bei einem rein europäischen Blick stehen.

 

Nordamerika Native Musem, Seefeldstrasse 317, 8008 Zürich
Di bis Sa, 13 bis 17 Uhr
So, 10 bis 17 Uhr
 

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Von Eva Hediger am 09. April 2026 veröffentlicht.

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