Blick hinter die Kulisse: Inkubator 2023

Redaktion Sari Pamer
Redaktion Sari Pamer

David Castillo und Lou Ann Hinderhofer bereiten für Inkubator ein Stück über unser «Körperarchiv» vor, das sich zu sehen lohnt!

Während Inkubator erhalten Bühnenschaffende aus allen Sparten die Gelegenheit, ein maximal zwölfminütiges Kurzstück zu erarbeiten. Ich war zu Besuch bei einer Performanceprobe rund um Gewalterfahrung, Bewegungsgedächtnis und Selbstermächtigungsstrategien. Ein Blick hinter die Kulisse.

David Castillo lebt und arbeitet als freischaffender Regisseur und Performer in Zürich. Gemeinsam mit Lou Ann Hinderhofer, einer freischaffenden Bühnen- und Kostümbildnerin aus Hamburg, zeigen sie ihr Kurzstück im Rahmen des Inkubator 2023 im Fabriktheater Zürich.

«Und Cue eins, zwei, drei, vier» zählen die Künstler:innen ein, schlagen ihre Arme und Fäuste rhythmisch auf den Boden, die Probe beginnt. Ihr Stück «mein stolpern gegen den rhythmus der welt» thematisiert den Körper als Archiv – als ein Archiv aus Erfahrungen von Bewegungen, die nicht immer intendiert waren, jedoch Teil des Körpers, Teil des Archivs sind. Im Fokus steht dabei die Gewalterfahrung von BIPOC, queeren und weiblich gelesenen Körpern und das Ausgeliefertsein in einer weissen heteronormativen Mehrheitsgesellschaft.

Bei der Durchforstung ihres Bewegungsgedächtnisses stossen die Performenden auf Bewegungen, die ohne ihr Einverständnis geschahen. Diese sollen für das Kurzstück aus dem Körperarchiv geholt und in ästhetische Bewegungen überführt werden. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen entsteht eine Choreografie aus archiviertem Bewegungsmaterial. Damit möchten die Performenden ihr Körperarchiv aufarbeiten, ungewollte Bewegungen in eine ästhetische Suche überführen und somit einen Moment der Selbstermächtigung erleben.

Im Vordergrund steht jedoch nicht die Aufarbeitung individueller Gewalterfahrung, sondern das Aufzeigen, welche Narben und Verhaltensmuster hinterlassen werden, wenn Körper Gewalt erfahren und niemand hinschaut. Wegschauen, das machen die meisten auf der Strasse, doch im Bühnenraum ist dies nicht möglich. Die Zuschauer:innen können sich der Konfrontation nicht entziehen, müssen die Momente der ästhetisch erfahrbaren Gewalt aushalten, wenn beispielsweise der Bühnenboden durch aggressive Gesten weiss gestrichen wird oder die Performenden sich ständig kratzen. Damit möchten die Künstler:innen eine Sensibilität schaffen und eine Selbstbestimmtheit in ihre Gesten bringen.

Mit «mein stolpern gegen den rhythmus der welt» bringen David Castillo und Lou Ann Hinderhofer relevante Themen auf die Bühne, deren ästhetische Umsetzung sich auf jeden Fall lohnt!

Von Sari Pamer am 19. Januar 2023 veröffentlicht.

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