Livemusik im November

Es wird wieder voll im Terminkalender. Das Beste des Novembers ballt sich in der zweiten Monatshälfte – da stehen schwierige Entscheidungen bevor.

Will Sheff / Okkervil River Solo

Dass mir noch einmal der Name Will Sheff ins Auge stechen sollte, hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Das Album «Blacksheep Boy» seiner Band Okkervil River gehörte zum festen Repertoire meines Jugend-Herzschmerzes, und wie das so ist mit Jugend-Herzschmerz-Soundtracks, gehen die oft in den untersten Schichten des Bewusstseins verschüttet. Aber da ist er nun, der Indie-Folk-Musiker mit der zartesten Melancholie und dem Rock’N’Roll im Handgelenk, und stellt sein erstes Soloalbum im Bogen F vor.

15.11.2023, Bogen F

Jockstrap

Jockstrap sind wohl eine der interessantesten Bands Grossbritanniens. Das klassisch ausgebildete Musikduo erschafft etwas, das vielleicht am ehesten an die Innovationskraft der Kraut-Psychedelic-Indieband Stereolab anknüpft, verbindet zuckersüsses Pop-Songwriting mit abenteuerlichen Sound-Eskapaden und Dancefloor-Bangern. Das Konzert im Exil wird ihr erster Auftritt in Zürich sein.

Sanam

Apropos Kraut: Der umtriebige Krautrock-Pionier Hans-Joachim Irmler, Mitglied der Genre-Pioniere Faust, war offenbar Auslöser für die Gründung der Band Sanam. Sie entstand durch ein von Irmler initiiertes Residenz-Programm im Libanon und vereint sechs Exponent:innen der experimentellen Musikszene Beiruts. In der Roten Fabrik lassen sie klassische arabische Poesie auf treibende Rhythmen und Free-Jazz-Anleihen prallen.

Timber Timbre

Muss man über Timber Timbre noch viele Worte verlieren? Das Musikprojekt des Kanadiers Taylor Kirk liefert seit Jahren die schauderhaft-schönsten Songs aus dem staubigen Nirgendwo zwischen Blues und Folk. Die Abstände zwischen den Veröffentlichungen werden immer länger: Im Mascotte präsentiert Kirk mit «Lovage» das erste vollwertige Album seit 2017.

19.11.2023, Mascotte

Yves Tumor

Es ist erstaunlich, dass sich Yves Tumor von einem nischigen Underground-Phänomen zu Everybody’s Indie-Darling entwickelt hat. Doch mit seiner queeren Ästhetik und der Thematisierung psychischer Qualen ist er auch ein Phänomen unserer Zeit. Verwurzelt in Ambient und Noise, nähern sich seine musikalischen Ausdrucksformen immer mehr denen des Mainstreams an. Doch Yves Tumor bleibt weiterhin ein genauso rätsel- wie sprunghaftes Gesamtkunstwerk. Auch wenn er inzwischen im Kaufleuten auftritt.

 

19.11.2023, Kaufleuten

Von Steffen Kolberg am 26. Oktober 2023 veröffentlicht.

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