Er sagt I Sie sagt: Kurze Tage, kurze Filme

In Rebekkas Agenda ist die zweite Novemberwoche seit Jahren fett markiert. Das freut Sebastian, denn er hält sich selbst für die Ursache.

Er sagt:

November ist scheisse. Weihnachten ist noch zu weit entfernt zum Einfeiern, niemand hat Ferien und die schöne Herbstlandschaft wird vom schneefreien Wintereinbruch entstellt. Der November, dieser Verunstalter, ist deshalb ideal für Veranstalter. Gibt es einen besseren Monat, um in einem beheizten, dunklen Raum in einen weichen Sessel zu sinken und auf Grossleinwand Filme zu schauen? November ist Kinozeit. Und da kommen die internationalen Kurzfilmtage Winterthur gerade recht.

Full disclosure: Ich bin im Organisationsteam der Kurzfilmtage. Als Teenager wurde ich aus einem Missverständnis heraus Mitglied und seither leiste ich irgendwie unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit.

Dementsprechend bin ich natürlich befangen. Ich liebe dieses Festival und kann allen nur wärmstens empfehlen, es zu besuchen. Im Geiste der ausgewogenen Berichterstattung erlaube ich mir hier deshalb auch eine kritische Beobachtung:

Vorsicht mit dem internationalen Wettbewerb. Wenn du dir eine geballte Ladung visuelle Kunst reinziehen willst, bist du dort genau richtig. Wenn du kapieren willst, worum es geht, eher nicht.

Die gute Nachricht ist, auch für diesen Geschmack gibt es an den Kurzfilmtagen eine Fülle an Möglichkeiten. Ich bin sehr gespannt auf die Kurzfilme im grossen Fokus. Und die Hors-Concours-Programme sind auch sichere Werte, wobei das Dismissed besser betrunken genossen wird.

Sowieso ist die Bedeutung der Festivalbar im Kraftfeld nicht zu unterschätzen. Böse Zungen sagen, Filmfestivals seien doch auch nur wieder so ein Feigenblatt, um sich gleichzeitig kultiviert zu fühlen und zu besaufen. Das halte ich für eine Verallgemeinerung, aber wir bieten diesen Service schon an.

Sie sagt:

Keine Sorge, auch ich bin bei meinem ersten Kurzfilmtagebesuch komplett planlos im Dunkel gesessen und habe mich gefragt, worauf ich mich da jetzt wieder eingelassen habe. Einsteigen ist beim Kurzfilm aber wirklich überhaupt kein Problem: Man braucht keinerlei Vorwissen, Vorbereitung  oder Vorurteile zu haben, denn die Filme sind – wie es der Name schon sagt – kurz und entsprechend im Notfall auch schnell wieder vorbei. Egal für welches Programm man sich entscheidet, irgendwas wird immer ansprechen, berühren, faszinieren. Und doch: Die schiere Menge an Events kann für einen Newbie überwältigend sein. Deshalb hier meine persönlichen Must-sees:

Züri Shorts 
Dafür bin ich schon nach Winti gepiltert, bevor ich ansässig wurde: Eine Auswahl an Kurzfilmen von hiesigen Filmschaffenden, die einen neuen Blick auf den eigenen Kanton ermöglichen. Besonders reizvoll: Drehorte wiedererkennen: Züri Shorts

Hot Shorts
Vermutlich das unterhaltsamste Programm der Kurzfilmtage: Mal lustig, mal nachdenklich, und immer hot hot hot! Hot Shorts

Sparks I und II
Der perfekte Einstieg: Ursprünglich als Jugendprogramm konzipiert und entsprechend zugänglich und abwechslungsreich. Sparks I und II

Kill Your Darlings: Dismissed
Wer die Winti-Szene in freier Wildbahn erleben und mitten in der Nacht nicht ganz nüchtern abgeschmetterte Wettbewerbseinsendungen entdecken will, ist hier goldrichtig. Kill Your Darlings

Best-of 
Ein Geheimtipp, der den inoffiziellen Abschluss des Festivals markiert: Hier werden noch einmal die Lieblingsfilme der aktuellen Ausgabe versammelt. Best-of 

Ausserdem gibt es natürlich die Wettbewerbsprogramme (inter- und national), wo man selbst Jury spielen kann und Filmemacher:innen kennenlernt; zwei Länder und eine:r Künstler:in im Fokus; und eine grosse Auswahl an Spezial- und Familienprogrammen, Konzerten, Ausstellungen und Gala-Events.

Von Rebekka & Sebastian am 02. November 2023 veröffentlicht.

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