Jean-François Vernetti, Der Guinness Weltrekordhalter besitzt 11'111 Do-Not-Disturb-Hotelschilder aus rund 200 Ländern, © Guinness World Records

Tatort Zürich: Spritzkanonen horten macht glücklich

Die Ausstellung «Collectomania» im Museum für Gestaltung ergründet, wieso wir sammeln. Ein Interview mit Kuratorin Karin Gimmi.

Wir haben es nun bereits erfahren: Es gibt sehr unterschiedliche Gründe, um zur Sammlerin oder zum Sammler zu werden. Aber was sind die Gemeinsamkeiten?
Gemeinsam ist vielen Privatsammler:innen, dass ihr Tun einen Sinn ergibt und sie glücklich macht. Sammler:innen sind glückliche Menschen, das haben vor kurzem auch neurologische Untersuchengen ergeben.

 

Zeigen eigentlich alle Sammler:innen ihre Sammlung gerne? Ist das die Gemeinsamkeit: der Stolz, die Freude an der Sammlung?
Die meisten Sammler:innen möchten ihre Sammlungen zeigen, ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilen. Es erfüllt sie mit Freude, über ihren Gegenstand mit anderen kommunizieren zu können.

 

Manche der gezeigten Sammlungen haben es ins Guiness Book of Records geschafft. Ist das die Krönung für die Sammler:innen?
Während es für die einen darum geht, möglichst viele Objekte zusammenzutragen, sind andere an ausgewählten Raritäten und nicht an der Menge an sich interessiert.

 
Was sagen uns die Objekte? Was lernen wir etwa aus einer Sammlung von Bitte-nicht-stören-Schildern aus der ganzen Welt?
In «Collectomania» versuchen wir, auch die Geschichten hinter den Objekten zu zeigen. Damit werden auch an sich wenig wertvolle Gegenstände, zu Preziosen. Stellen Sie sich vor: Da ist jemand über Jahre hinweg beruflich in allen möglichen Hotels der Welt zuhause. Mit den Türschildern, die er von überall her heimbringt, nimmt plötzlich auch sein Umfeld daran teil. Für Leute, die sich mit Grafik beschäftigen, gibt es sowohl gute als auch richtig schlechte Gestaltung zu sehen. Und für uns alle ist es interessant festzustellen, dass die Geste, sich den Finger an den Mund zu halten, offenbar in verschiedenen Kulturkreisen als «pssst», bitte Ruhe verstanden wird!


Gibt es eine Sammlung, die Sie gern gezeigt hätten, aber nicht zeigen konnten?
Ja, ich hätte gerne eine Sammlung unterschiedlichster Treppenläufen gezeigt, die ein Herr in England zusammengetragen hat. Er hat eine Kollektion in einem Hangar untergebracht.


Beschränkt sich die Ausstellung eigentlich auf die Schweiz?
Nein, die Künstlerin Dina Kelberman, die Google- und Tumblr-Bilder sammelt, arbeitet in den USA, ein wichtige Panini-Sammlung ist aus Italien, die weltweit grösste Barbie-Sammlung ist diejenige von Bettina Dorfmann in Deutschland, um hier nur diese zu erwähnen.

 

Die Ausstellung zeigt auch behördliche Sammlungen – etwa Dinge, die am Zoll beschlagnahmt wurden. Schön, dass diese Sammlung nun nicht nur Zöllner:innen beglücken darf. Wie kommt’s?
Die Sammlung von Zoll-Beschlagnahmungen dürfte es eigentlich gar nicht geben! Dass Leute auch heutzutage ganze Elefantenzähne, ausgestopfte Alligatoren oder Raubkatzen-Pelz als Souvenirs über die Grenze bringen, ist ein Skandal!

 

Ihre Lieblingssammlung?
Mich interessiert die Sache als Ganzes, ich bin fasziniert von der Faszination der Menschen für Dinge. Selber habe ich keinerlei Sammelfieber.

 

Die Ausstellung «Collectomania» ist noch bis Anfang Januar 2023 im Museum für Gestaltung auf dem Toni Areal zu sehen. Am 15. September unterhält sich Karin Gimmi mit Salome Hohl, Direktorin des Cabaret Voltaire über «Sammelsurien: Was soll die Ordnung?», am 3. November mit Severin Rüegg, Leiter Sammlung, Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte über «Widersprüchliche Sammlungen? Wir reden darüber!».

Collectomania – Universen des Sammelns

Museum für Gestaltung Zürich

Collectomania – Universen des Sammelns

Barbiepuppen, Messgewänder, Wasserpistolen oder Vogelstimmen – Kein Ding scheint zu banal oder zu kurios, um nicht das Interesse eines Sammlers, einer ...

Dauerausstellung

Collectomania

Museum für Gestaltung Zürich

Collectomania

Besucherinnen und Besucher erfahren bei diesem Rundgang mehr zu den ausgestellten Objekten.

Gespräch: Sammelsurien - Was soll die Ordnung?

Museum für Gestaltung Zürich

Gespräch: Sammelsurien - Was soll die Ordnung?

Sammlungen folgen meist einer Logik und Ordnung. Was passiert, wenn Dinge einfach so zusammenkommen? Ein Gespräch über Dadaismus und die Kunst des ...

Collectomania – Universes of Collecting

Museum für Gestaltung Zürich

Collectomania – Universes of Collecting

Let us guide you through the exhibition and learn more about the exhibited objects.

Collectomania

Museum für Gestaltung Zürich

Collectomania

An der Führung teilnehmen und mehr zu den ausgestellten Objekten erfahren. Mit Karin Gimmi, Kuratorin der Ausstellung

Bildlegenden: 

  • Bettina Dorfmann, Die Guinness Weltrekordhalterin besitzt 18’000 Barbiepuppen, 2011, Foto: Ranald Mackechnie, © Guinness World Record

  • Sergio Muster, Der Sneakerness-Gründer sammelt rare Stücke aus Leidenschaft und als Wertanlage, 2022, Foto: Museum für Gestaltung Zürich, ZHdK, Umberto Romito und Ivan Šuta

  • Wasserpistolen, gesammelt von der Kuratorin Bice Curiger, Museum für Gestaltung Zürich, Designsammlung, 2022, Foto: Museum für Gestaltung Zürich, ZHdK, Umberto Romito und Iva Šuta

  • Beat Schlatter, Der Komiker und Schauspieler (neuste Bühnenproduktion: Ab die Post) sammelt Postkarten, 2022, Foto: Museum für Gestaltung Zürich, ZHdK, Umberto Romito und Ivan Šuta

  • Jean-François Vernetti, Der Guinness Weltrekordhalter besitzt 11'111 Do-Not-Disturb-Hotelschilder aus rund 200 Ländern, © Guinness World Records

Von Adrian Schräder am 11. August 2022 veröffentlicht.

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