Körpergeschichten

Ein Körper ist nie nur das, was wir im Spiegel sehen. Er wird gelesen, bewertet, begehrt, diszipliniert und verletzt. Er erinnert und verändert sich. In dieser Spannung zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdblick entstehen derzeit unterschiedliche künstlerische Arbeiten. Zehn davon haben wir zusammengestellt.

Kann der Körper sich erinnern?

Was bleibt von uns, wenn die Erinnerung brüchig wird? «Ich vermisse mich» bringt dafür zwei sehr unterschiedliche Ausdrucksformen zusammen. Mona Petri liest aus Lisa Genovas Alzheimer-Roman Still Alice, die Tänzerin Katja Campanile antwortet mit Flamenco.

Während Sprache versucht festzuhalten, was zunehmend verloren geht, lebt Flamenco von Rhythmus, Wiederholung und Bewegungen, die sich tief in den Körper eingeschrieben haben. So stellt der Abend die Frage, ob Erinnerung wirklich nur im Kopf sitzt. Vielleicht trägt der Körper manches weiter, was sich längst nicht mehr erzählen lässt.

Pssst: Zwei der drei Vorstellungen sind schon ausverkauft.

11. und 12. September 2026 | Theater Ariane, Winterthur

Krieg bleibt am Körper hängen

Beim Parking Day bringt das Mobile MAXIM gemeinsam mit weiteren Theater- und Kulturschaffenden kurze Interventionen in den öffentlichen Raum. Eine davon ist die Tanzperformance «Kriegsbewegungen» von Maryury Saldana Suarez.

Angst, Flucht, Verlust und Widerstand werden in Gesten und Bewegung übersetzt. Statt Krieg in Zahlen und Frontverläufen zu erzählen, rückt die Performance dahin, wo er unmittelbar wird: in den Körper. Dass dies mitten auf einem Parkplatz am Bullingerplatz geschieht, holt eine Realität, die oft weit weg scheint, direkt in den Zürcher Alltag.

18. September 2026 | Mobiles MAXIM beim Bullingerplatz, Zürich

MOBILES MAXIM AM PARKING DAY

MAXIM Theater

MOBILES MAXIM AM PARKING DAY

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Plötzlich ein fremder Körper

Gregor Samsa wacht als Ungeziefer auf. In der Oper «Die Verwandlung» interessiert weniger der Käfer selbst als das, was sein neuer Körper mit den Menschen um ihn herum macht: Aus dem vertrauten Sohn und Bruder wird zunehmend etwas Fremdes und Belastendes.

Gerade im Musiktheater lässt sich diese Kluft zwischen Innen und Aussen zuspitzen. Gregor bleibt derselbe, wird aber anders gesehen. So stellt Kafka eine Frage, die erstaunlich gegenwärtig bleibt: Wie sehr hängt unsere Vorstellung eines Menschen davon ab, dass sein Körper unseren Erwartungen entspricht?

18., 20., 23., 24. und 26. September 2026 | Theater Winterthur

Die Verwandlung

Theater Winterthur

Die Verwandlung

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Klang wird körperlich

Bei Nicole L'Huillier wird der Körper weder abgebildet noch erzählt. Er wird gebraucht. Ihre Soundausstellung «Canción de Amor» entfaltet sich durch Klang, Bewegung und durch die Anwesenheit des Publikums. Töne breiten sich aus, treffen auf Körper und geraten in Resonanz.

Für L'Huillier ist Resonanz auch Beziehung: Etwas sendet aus, etwas anderes antwortet, beide verändern sich. Besucher geraten so selbst ins Werk hinein. Zur Eröffnung findet zusätzlich die Live-Performance «Ayayay (Cómo me duele)» statt.

25. September 2026 bis 17. Januar 2027 | Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich

Stillgestanden war gestern

Puppen sind zum Anschauen da. Sie lassen sich kostümieren, arrangieren und bewegen. In der Gruppenchoreografie «SYNTHETIC / Artefact» nimmt Tiran Willemse genau diese Verfügbarkeit auseinander. Er greift Puppendarstellungen sowohl aus europäischen Ballett- und Theatertraditionen auf als auch aus afrikanischen und asiatischen Tanzformen und versetzt sie in eine zugleich glamouröse und beschädigte Zukunftswelt.

Entscheidend ist, wie sich die Rollen verschieben. Körper, die zunächst wie Artefakte präsentiert werden, entwickeln eine eigene Logik und entziehen sich zunehmend dem Blick, der sie festlegen will. Willemse choreografiert damit nicht nur Bewegung, sondern das Verhältnis zwischen Betrachtenden und Betrachteten. Und plötzlich ist gar nicht mehr so eindeutig, wer hier wen in Position bringt.

10., 11., 14. und 15. September 2026 | Gessnerallee, Zürich

Zwei Körper, zwei Richtungen

In «STÜTZLIWÖSCH SUPERTRANS – UNO / DUE / TRE» verändern sich zwei Körper gleichzeitig. Matteo befindet sich in Transition, sein Vater Aldo wird krank und zunehmend fragil. Der eine eignet sich seinen Körper neu an, dem anderen entzieht er sich immer mehr.

Gerade diese Gegenbewegung macht den dreiteiligen Theaterabend stark. Transition steht neben Krankheit, Alter, Familie, Männlichkeit und Begehren. Auch formal bleibt alles in Bewegung: Drei Regiepositionen führen durch Roadmovie, Rom-Com und Horror. Der Körper wird zum Ort, an dem Selbstbild, Fremdblick und Vergänglichkeit aufeinandertreffen.

26. September 2026 | Schauspielhaus Zürich, Pfauen Kammer

STÜTZLIWÖSCH SUPERTRANS – UNO / DUE / TRE

Schauspielhaus Zürich

Stützliwösch Supertrans – Uno & Due & Tre

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31.10.2026  |  18:00 Uhr

Abstraktion hat einen Körper

Die konstruktiv-konkrete Kunst wollte ohne Figur und subjektiven Ausdruck auskommen. Die Gruppenausstellung «The Body Within Abstraction» im Museum Haus Konstruktiv schaut genauer hin und entdeckt ausgerechnet in dieser vermeintlich körperlosen Kunst überall körperliche Spuren.

Arbeiten von Heidi Bucher, Eva Fàbregas, Kimsooja, Bruce Nauman und weiteren zeigen den Körper als Massstab, Material oder unsichtbares Ordnungssystem. Damit dreht die Ausstellung die kunsthistorische Erzählung reizvoll um: Vielleicht war der Körper nie verschwunden. Vielleicht haben wir nur gelernt, ihn dort nicht mehr zu sehen.

25. September 2026 bis 10. Januar 2027 | Museum Haus Konstruktiv, Zürich

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Museum Haus Konstruktiv

The Body Within Abstraction

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Bis zum 10.01.2027

Nicht alles können müssen

Dana Michel kann nicht besonders gut schwimmen. Ein vermeintliches Defizit, das die kanadische Performancekünstlerin nicht beheben, sondern untersuchen will. Für «YOU CANNOT CAN» geht sie deshalb dorthin, wo dieses Nicht-Können unübersehbar wird: ins Hallenbad Altstetten.

Das Schwimmbecken wird zur Versuchsanordnung. Michel verbindet ihre eigene Unsicherheit mit der Beobachtung, dass auch viele Menschen ihrer Familie nicht schwimmen, obwohl diese von einer Insel zwischen Atlantik und Karibik stammt. Daraus entstehen Fragen nach Herkunft, Zugang und den Fähigkeiten, die wir bestimmten Körpern selbstverständlich zuschreiben. Statt das vermeintliche Defizit zu überwinden, stellt Michel es infrage.

19. und 20. September 2026 | Hallenbad Altstetten, Zürich

Gemeinsam im Takt

In der Tanzperformance «Rhythm of Reverence» bringt die Company Below the Skin zehn weiblich gelesene Performer verschiedener Generationen, Hintergründe und Erfahrungsstufen zusammen. Atem, Stimme, Rhythmus und Bewegung verbinden sich zu einer gemeinsamen choreografischen Sprache.

Dabei werden die Unterschiede zwischen den Körpern nicht glattgebügelt, sondern zum Material. Rituale und kollektive Bewegungen schaffen Verbindung, ohne die Einzelnen verschwinden zu lassen. Der Körper erscheint hier nicht als isoliertes Selbstprojekt, sondern als etwas, das sich mit anderen verbindet, Erfahrungen weiterträgt und neue aufnimmt.

16., 17., 18., 20. und 21. September 2026 | Tanzhaus Zürich

Below the Skin / Aly Khamees: Rhythm of Reverence

Tanzhaus Zürich

Below the Skin / Aly Khamees: Rhythm of Reverence

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Der Körper als Archiv

Tanz hat ein Archivproblem: Sobald eine Bewegung vorbei ist, scheint sie verschwunden. «KörperArchiv(e) in Resonanz» fragt, was jahrzehntelange künstlerische Praxis trotzdem in Körpern hinterlässt. Das professionelle Ü60-Ensemble dance me to the end verbindet dafür die eigenen Tanzbiografien mit der Geschichte der Gessnerallee.

Erinnerungsraum, Gespräch und raumspezifische Performance machen den Körper zum Archiv von Bewegungen, Verletzungen und Begegnungen. Alter erscheint dabei nicht als Verlust, sondern als angesammeltes Wissen. Gleichzeitig wird auch die Gessnerallee zum Gedächtnisraum. Zwei Archive treffen aufeinander: eines aus Mauern, eines aus Körpern.

27. September 2026 | Theaterhaus Gessnerallee, Zürich

Veröffentlicht am 10. September 2026.

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