Guadalupe Ruiz. Copyright Coalmine, 2022

Experimentelle, raumeinnehmende Fotografie

Der türkische Künstler Aykan Safoğlu verhandelt in seinen Werken gesellschaftlich aktuelle Themen wie Migration, Identität, Klasse und Geschlecht.

Dass Aykan Safoğlu ursprünglich Film studiert hat, spürt man als Betrachter:in instinktiv. Denn seine Arbeiten entsprechen definitiv nicht dem Bild, das wir gemeinhin von Fotografie haben. Seine zweiteilige Einzelausstellung «Ebbe/Flut» in der Coalmine führt das deutlich vor Augen. Wie der Titel andeutet sind Bewegung und Zeitlichkeit zentrale Motive im Werk des türkischen Künstlers, der 2008 nach Berlin auswanderte und zurzeit in Wien lebt.

 

Und so sind seine «Fotografien» eben nicht zweidimensional, sondern sie erheben sich wellenförmig als raumfüllende Skulpturen, liegen als Puzzlestücke oder Buchstaben bruchstückhaft am Boden oder erscheinen in filmischen Sequenzen als kurz aufblitzende Bilder. Durch diese unkonventionelle Form der Bearbeitung von Bildmaterial hinterfragen Safoğlus Arbeiten das Medium Fotografie als solches. Ihre Aussagekraft schöpfen sie genau aus diesem kritischen Blick auf Fotografie sowie überhaupt auf erstarrte Sichtweisen.

 

Der Künstler verhandelt gesellschaftlich aktuelle Themen wie Migration, Zugehörigkeit, Identität, Klasse und Geschlecht. Er tut dies, indem er seine eigene Lebensgeschichte oder diejenige anderer marginalisierter Menschen mit den Betrachter:innen teilt. Dabei ist er nie Voyeur, vielmehr erlaubt seine dreidimensionale Präsentation eine individuelle und körperliche Form der Annäherung an diese Erzählungen. Unsere eigenen Bewegungen und Geschichten treten mit den Arbeiten in Dialog.

 

Ganz explizit etwa, wenn wir unser unscharfes Spiegelbild in dem schmalen, glitzernden Band entlang der Wand erkennen, auf dem die Symbole für «play», «fast», »forward», «rewind» und «stop» zu sehen sind. Die Arbeit «Depeche Mode» (2022) nimmt auf den «Walkman» Bezug, ein Gerät, auf dem der Künstler in seiner Jugend Musik hörte. Unsere Zeit verläuft linear, doch filmische und musikalische Träger erlauben jederzeit das Vor- und Zurückspulen. Könnten wir das nicht ebenso tun, wenn wir auf unsere Vergangenheit blicken? Oder wenn wir unsere Zukunft erträumen? In der Überlagerung und Verfremdung von Bildwelten bietet der Künstler alternative Darstellungen der Realität. Damit schafft er zugleich auch Freiräume.

Aykan Safoğlu: Ebbe / Flut

Coalmine – Kulturort

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Das Motiv der Bewegung ist inhaltlich wie auch formal ein zentraler Aspekt in Aykan Safoğlus Werken: Mittels analoger Fotografien, die gescannt und ...

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Von Susanna Koeberle am 21. April 2022 veröffentlicht.

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