Menschen hinter der Kulisse: Museumsdirektorin Nadine Wietlisbach

Zur Ausstellung Orlando, deren Kuratorin Tilda Swinton und Rezepte gegen Bilderflut.

Nadine Wietlisbach, was erwartet die Bersucher:innen?

Tilda Swinton, die diese Ausstellung kuratiert hat, sagt: «Die Ausstellung sowie das Heft sind eine Hommage an die Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit. Sie zelebrieren eine umfassende und expansive Vision des Lebens, wie sie von den hier versammelten Künstler:innen vorgelebt wird.» Besucher:innen können neue Arbeiten von Kunstschaffenden wie Carmen Winant oder Paul Sepuya entdecken, die Zusammenstellung ist eklektisch, kraftvoll und farbenintensiv.

Was gefällt dir besonders an der Ausstellung?

Mir gefällt, dass Tilda Swinton einerseits ein grosses Werk der Literaturgeschichte als Ausgangslage nimmt und gleichzeitig gesellschaftliche Themen aufgreift und diese über die Stimmen von aussergewöhnlichen Fotograf:innen zugänglich macht.

Orlando ist eine genderfluide, ewig junge Figur aus dem gleichnamigen avantgardistischen Roman von Virginia Woolf aus dem Jahr 1928. Ein zeitgenössisches Märchen?

Erstaunlicherweise hat der Stoff aus Buch und Film (1992) nichts an Dringlichkeit in Sachen Feminismus eingebüsst: Er betrifft uns und vermag uns emotional zu berühren.

Du bist nun seit 2018 Direktorin am Fotomuseum Winterthur. Was tun gegen die Bilderflut im Kopf?

Gerne antworte ich mit einem wunderbaren Zitat der Künstlerin Catherine Opie: “Everyone’s asking: aren’t there too many images now, Cathy? Well there’s too much of everything, but it’s how you decide to disseminate that information. That’s what’s interesting to me – this idea of criticality.” Diese Idee von kritischem Umgang entspricht uns hier am Fotomuseum Winterthur, innerhalb unseres interdisziplinären Teams!

Wo gehst du in Zürich oder Winterthur gerne hin um deinen kulturellen Hunger zu stillen. Eher kurz snacken oder 6-Gang-Menü?

Ich gehe regelmässig ins Schauspielhaus und ins Theater Neumarkt und natürlich besuche ich die Kunsthalle Winterthur, das Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich und ja, Ausflüge in tatsächliche Gastrostätten gehören auch dazu: das Rosa Pulver in Winterthur oder das Italia in Zürich ... Ich mag es, einzutauchen, mich einzulassen, den Alltag etwas hinter mir zu lassen – sei es in der Kultur oder beim Schlemmen. Deshalb bevorzuge ich ganz klar das 6-Gang-Menü.

 

Titelbild: Nadine Wietlisbach ©Anne Morgenstern

Jamal Nxedlana, FAKA Portrait, Johannesburg, 2019 © Jamal Nxedlana

Fotomuseum Winterthur

Orlando – Nach einem Roman von Virginia Woolf

Eine Ausstellung nach einem Roman von Virginia Woolf, kuratiert von Tilda Swinton.

Dauerausstellung

Von Laura Binggeli am 04. April 2022 veröffentlicht.

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