Livemusik im November

Sei es auf der kleinen Bühne oder in der grossen Halle: Im Oktober kommen grossartige Künstler:innen zwischen Hip-Hop, R’n’B und Spoken Word.

Sudan Archives

Sudan Archives hat sich in diesem Jahr neu erfunden. Hatte die US-Amerikanerin bislang mit ihrem Geigenspiel und Percussions eine spannende Indie-Neuinterpretation von R’n’B vorgelegt, nähert sie sich auf «Natural Brown Prom Queen» den Grössen des Genres an. Alles wird grösser und pompöser, Beyoncé lässt grüssen. Die Geige spielt nur noch eine Nebenrolle, wenn auch immer noch eine gewichtige. Ihr Auftritt im Moods könnte eine der letzten Gelegenheiten sein, bevor Sudan Archives die wirklich grossen Hallen füllt.

Moods

Sudan Archives

Hypnotische Geigenloops, klackernde Beats und samtiger Gesang: Sudan Archives mischt R&B mit sudanesischer Musik und elektronischen Beats.

Mykki Blanco

Es ist inzwischen zehn Jahre her, dass Mykki Blanco mit «Wavvy» nicht nur mithalf, die Grenzen zwischen Rap und Clubmusik endgültig zu verwischen. Vor allem verwischte Blanco damals die Grenzen der Geschlechter und führte Queerness in die HipHop-Welt ein. Damals hatte so etwas radikales nur Platz in edgy Technoclubs. Heute kollaboriert Blanco mit Weltstars wie Blood Orange, Michael Stipe oder Devendra Banhart. Und kommt selbstverständlich in die Rote Fabrik.

Die Nerven

Braucht es in Deutschland eine andere Rockband als die Nerven? Ich denke Nein. Was Tocotronic für die Generation X waren, sind sie für uns Millenials: Übersetzung der Verlorenheit, der inneren Zustände und der ziellosen Wut in einfache, unmittelbare Texte und gewitternde Postpunk-Gitarren. In den Bogen F bringen die Drei ihr neues, schwarzes Album mit, ein In-sich-Kehren angesichts von Krise, Krieg und Pandemie. «Ich dachte irgendwie, in Europa stirbt man nie», heisst es da. Tja. Falsch gedacht.

Sa 12.11. | 21:00 Uhr | Bogen F

Makaya McCraven

Einem breiten Publikum wurde Makaya McCraven bekannt, als er 2020 das legendäre letzte Album Gil Scott-Herons, «Me And The Devil», als Jazz-Grenzerfahrung neu interpretierte. Dabei war der in Paris geborene, in Chicago lebende Drummer und Produzent bereits damals schon lange kein Geheimtipp mehr. Er arbeitet mit Jazz-Grösse Kamasi Washington genauso zusammen wie mit dem Wu-Tang Clan, seine eigenen vertrackt-groovigen Jazz-Stücke updatet er unter anderem mit Samples. Ins Moods kommt er mit seinem neuen Album «In These Times», das der Rolling Stone als «Béla Bartók in Jazz» bezeichnet hat.

Moods

Makaya McCraven

Leichtfüssig wechselt der Drummer, Beat-Scientist und Produzent Makaya McCraven zwischen Hip-Hop, Funk, Jazz und World.

JJJJJerome Ellis

Die vier zusätzlichen J, die Jerome Ellis vor seinen Vornamen gesetzt hat, sind ein Hinweis auf das, mit dem uns der Multiinstrumentalist und Performancekünstler in seiner Musik konfrontiert: Ellis ist nämlich Stotterer. Doch was die Betroffenen in ihrer Auseinandersetzung mit der Welt meist behindert, wandelt er in ein Stilmittel um. Es bestimmt seine Stücke, die Wahrnehmung von Zeit und Sprache. Und ist doch eingebunden in Klangcollagen zwischen Ambient und Jazz. Im Pfauen tritt er im Rahmen der Konzertreihe Graveyard Shift auf.

Pusha T

Pusha T ist der ewige Underdog im US-Rap. Sein Flow, seine häufige Thematisierung der eigenen Drogendealer-Vergangenheit, das Bandana, mit dem er sich häufig ablichten lässt: Alles atmet den Geist der Neunziger, in denen seine Karriere ihren Anfang nahm. Doch seine Musik ist mitnichten bloss ein Abklatsch von Oldschool-HipHop. Pusha T hat die perfekte Lücke gefunden zwischen entspannt und aggressiv, zwischen Gangster und Homie. Und hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient zwischen den Kendricks und Kanyes. Im Komplex 457 wird ihm die ganze Aufmerksamkeit zuteil.

Mi 30.11. | 20:30 Uhr | Komplex 457

Von Steffen Kolberg am 27. Oktober 2022 veröffentlicht.

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